Jakobsmuscheltour Asturias FZ08 - FZ 12

 

Iberia Northcoast kurzer Film

20.6.2024. Ribadeo bis Luarca.  62km. 680 HM rauf

Regen. Strömender Regen. Wir warteten erst mal ab. Und siehe da, um 11.30 Uhr hörte der Regen auf. Dann starteten wir, noch vorsichtig mit Regenklamotten. Aber es hielt bis abends, teils lugte sogar die Sonne hervor. 


Zunächst ging es über die Autobahnbrücke über den breiten Ria de Ribadeo, auf einem mehr als schmalen Fuß- und Radweg an der Seite. Drüben erwartete uns Asturien, ein anderer „Bundesstaat“ Spaniens. Es war weiter wunderschöne Küstenlandschaft, üppig grün, viel Wald. Wobei uns auffiel, dass es weniger Eukalyptusbäume gab, die in Galizien absolut dominierend waren, sondern vor allem Kiefern und andere eher standortgerechte Baumarten. 

Gut gefiel uns der kleine Fischerort Vega, mit natürlichem Hafen, den man zu einem Bootshafen weiter ausgebaut hatte. Richtig spektakulär war unser Zielort Luarca an der Mündung des Rio Negro. Die Stadt liegt tief unten in einer Schlucht, von Hafen und Fluss aufwärts kleben die Häuser an den Steilwänden. Ein phantastischer Blick, vor allem, wenn man oberhalb der Schlucht ankommt und die Stadt von oben überblickt.


Ein Gespräch mit einem Besucher unseres Hotels offenbarten allerdings auch die Schattenseiten dieser landschaftlich so reizvollen Region. Die Einwohnerzahl von Luarca habe in den letzten 50 Jahren um die Hälfte abgenommen, es fehle an Arbeitsplätzen, die Erwerbslosenquote liege bei ca 30%. Tourismus und Landwirtschaft sind praktisch die einzigen Wirtschaftszweige. Uns war auch aufgefallen, dass viele Häuser „en venta“ waren, also zum Verkauf angeboten werden, viele stehen leer und sind am Zerfallen. Der größte Teil der neuen oder renovierten Anwesen sind Ferienhäuser, die Bewohner leben meist in Madrid oder anderen Städten.

Übrigens: Nationalgetränk in Asturien ist der Cidre, also Apfelwein. Eingeschenkt auf sehr kunstgerechte Art, aus einer Höhe von ca 80cm. Natürlich mussten wir gleich probieren. Schmeckt fast wie in Frankfurt, nicht süß wie zB in Nordfrankreich. Vielleicht wäre eine Städtepartnerschaft Frankfurt - Gijón angesagt, mit dem Apfelwein als verbindendes gemeinsames Kulturgut. 



21.6.2024 Luarca - Cudillero   61km  1080 HM rauf

Für diesen Tag war besseres Wetter angesagt. Und tatsächlich, es war bewölkt, ab und an schaute die Sonne hervor, es blieb trocken. Gleich zu Anfang leisteten wir uns einen heftigen Flop. Wir fuhren einen langen, sehr steilen (ca 45 Grad), schmalen Asphaltweg hinunter, der zudem mit Wasser und Matsch von den vergangenen Regenfällen nass und matschig war. Unten angekommen sahen wir uns einem reißenden Bach gegenüber, der eigentlich nicht da sein sollte und den mit bepackten Rädern zu überqueren unmöglich war. Also zurück, sonst war nix. Aber den steilen Weg zurück zu fahren war ebenso unmöglich. Also blieb nichts anderes übrig als die bepackten Räder, jeweils zu zweit, nacheinander den Abhang hochzuschieben.  Absolut schweißtreibend. Gottseidank hatten wir gut gefrühstückt. 

Ansonsten war es ein schöner Radeltag. Wir fuhren. den ganzen Tag eine kurvenreiche, verkehrsarme Küstenstraße, weiterhin sehr bewaldet, immer wieder mit dem Blick aufs Meer und auf herrliche, leere Sandstrände. Es war eine Genusstour mit viel Natur und schöner Landschaft.


Parallel zu unserer Straße verlief die Autobahn, offenbar erst in jüngerer Zeit erbaut, die den Verkehr weitgehend aufnimmt. Immer wieder faszinierten uns die Autobahnbrücken, die die Täler in atemberaubender Höhe überqueren.

Auch unser Ziel Cudillero liegt in einer Bucht, an der Mündung des Rio Piñera, und es scheint ein touristisches Zentrum zu sein. Auffallend sind die bestens restaurierten, bunten Häuser, die an den steilen Berghängen wie übereinander geklebt wirken. Und tatsächlich konnten wir erstmalig an dieser Küste eine größere Anzahl von Touristen feststellen, die die Gassen und zahlreichen Cafés und Restaurants bevölkerten. 



22.6.2024. Cudillero - Gijón   61km  790HM rauf

Es war ein schöner Radeltag bei trockenem Wetter. Die Stadt Gijón war das Ziel. Industriestadt (Eisen und Stahl) und wichtiger Güterhafen, das hatten wir erwartet. Wir waren erstaunt, eine sehr schöne, lebendige Stadt mit attraktiver Altstadt, einer langen und wirklich tollen Uferpromenade. ein richtiges Malecón, und mehrere einladende Strandabschnitte anzutreffen. Ein Aufenthalt von zwei oder mehr Tagen hätte sich sicher gelohnt. Es gibt eine ausgedehnte Bar- und Kneipenszene, und da es Wochenende war, war sie bis spät in die Nacht stark besucht. Zudem wurden mehrere Junggesellenabschiede lautstark gefeiert. 





23. - 24.6.2024. Gijón - Ribadesella   75km  1.070HM rauf

Die Strecke führte uns großteils etwas abseits der Küste, erst auf den letzten 20 km war die Küste wieder sichtbar. Leider fehlte auch heute die Sonne, es war weiter recht trübe, so dass auch die Schönheit der Landschaft nicht wirklich zur Geltung kam. Inzwischen begegnen wir auch öfter Tourenradlern wie wir, und auch die hübschen Fischerorte entlang der Küste ziehen Touristen an. 




Wir umfuhren das Ria de Vilaviciosa mit großflächigen Feuchtgebieten und machten in der Stadt Vilaviciosa eine Pause. Die Stadt ist bekannt für ihre leckeren Schokoladenprodukte, von deren Qualität wir uns überzeugen konnten. 



Wir blieben auf halber Höhe vor Ribadesella im Hotel Rural la Curva Ribadesella mit einem schönen Blick auf die Stadt und die Bucht sowie bereits auf die Bergwelt des Pico Europa. Es wirkt irgendwie vor-alpin.

Wir blieben einen Tag, genossen den schönen Ausblick bei, zumindest am Nachmittag, herrlichem Wetter. Über Mittag fuhren wir ins Städtchen, es ist recht hübsch, durch den Fluss in zwei Teile geteilt, mit Sportboot-Hafen und Strand. 





25.6.2024. Ribadesella - Benia de Onis. 49km   950HM rauf

26.6.2024. Benia de Onis - San Vincente de la Barquera   78km  1.080HM rauf

Die letzten zwei Tage machten wir einen Ausflug in die Berge, weg von der Küste, hinein in die Berge und Schluchten der Picos de Europa. Es gilt als wildes, schroffes Gebirge, mit Berggipfeln von mehr als 2.500m Höhe, mit Bären, Wölfen und Luchsen. Aber keine Angst, wir begnügten uns damit, am Rande des Gebirges entlang zu radeln, bis auf 600m Höhe, aber bereits durch eine fantastische Bergwelt und mit dem Blick auf  schneebedeckte Gipfel. Wir hatten Glück mit dem Wetter, es waren unsere ersten schönen Sonnentage an der Küste, die Bergwelt zeigte sich in ihrer ganzen Schönheit und erinnerte uns an ähnliche unvergessliche Eindrücke in den Dolomiten. 

Wir radelten den Rio de Nueva hoch, weiter etwa 8km einen asphaltierten schmalen Wirtschaftsweg bei einer Steigung von ca 10% hoch auf den Alto de Torno. Nach einer herrlichen Abfahrt erreichten wir Benia de Onis, einen kleinen, beschaulichen Ort. Abends besuchten wir eine Cidre-Kneipe, und der Cidre wurde uns kunstgerecht durch einen hölzernen „Kellner“ serviert. 




Am nächsten Tag ging es zunächst 6km hoch auf 490HM. Von einem Aussichtspunkt aus betrachteten wir eine ganze Weile sehr beeindruckt den Picu Urriellu, 2.519m hoch, umgeben von Wolken und weiteren hohen Gipfeln. Phantastisch. 




Dann ging es abwärts durch einen Tunnel und entlang einer tiefen Schlucht nach Arenas de Cabrales, berühmt für seinen Blauschimmelkäse, in Höhlen gereift. Ein solches Stück Käse war dann unser Mittagessen. Nach Arenas war die Straße gesperrt, so dass wir einen Umweg von ca 20km und einigen Höhenmetern mehr fahren mussten. Entschädigt wurden wir durch weitere fantastische Landschaftseindrücke von dieser Bilderbuch-Bergwelt. 

An der Küste empfing uns San Vincente de la Barquera am gleichnamigen Ria mit ausgedehnten Feuchtgebieten, die gerade, da Ebbe war, trocken waren. 





Jakobsmuscheltour Galizien FZ01-FZ07

GALIZIEN Coast Tour 12.6.24 bis 20.6.24



12.6.2024 Cee - Muxía.  59km. 980 HM rauf

Es war ein unvergesslicher Tag. Durchweg Sonne, obwohl es morgens sehr kalt war und ab Mittag ein scharfer, kalter Wind wehte. Wir fuhren von Cee aus die Landzunge hinaus und erreichten Finisterre, das „Ende der Welt“ in der westlichsten Ecke Spaniens. Tief unter uns lag eine tiefblaue Bucht, vor uns am Ende der Landzunge der Leuchtturm und die Kapelle von Finisterre.





Hier ist der Null-Kilometer des Jakobsweges. Für viele Pilger endet hier ihre Pilgerreise. Eigentlich gibt es ein Ritual, dass die Pilger ihre Kleidung verbrennen, die Asche ins Meer werfen und bei Sonnenuntergang ein Bad nehmen. Wir gestehen, wir haben auf dieses Ritual verzichtet, es war uns für Derartiges schlicht zu kalt.

Aber nichtsdestotrotz war es auch für uns ein ganz besonderes Ziel. Wir hielten eine Weile inne, nahmen die Weite des Atlantiks vor uns wahr, das Rufen der Möven, den starken Wind, die Wellen, die an die Felsen schlugen, einige Segelboote, deren Weiß sich aus dem blauen Meer abhoben. Ein herrlicher Anblick.

Es folgte eine schöne Strecke, zunächst die Landzunge wieder zurück, dann nach Nordwesten recht einsam entlang der Küste. Es waren meist gut asphaltierte Nebenstraßen, nicht die für Radler ungeeigneten Wanderwege der Pilger. Aber es ging oft heftig bergauf und bergab, durch Wald, immer wieder mit Blick auf das Meer und auf schöne Buchten unter uns. Neben Kiefern dominierten große Flächen mit Eukalyptus-Bäumen, die wir hier eher nicht erwartet hätten. Wahrscheinlich sind sie der Rohstoff für unser Klopapier. 

13.6.2024  Muxia  - Malpica.  58km.  930 HM rauf

Die Route führte uns die Küstenstraße weiter, bei wenig Verkehr, anfangs sonnig, später sehr bewölkt. Es öffnete sich immer wieder ein schöner Blick auf die Küste und auf lupenreine Sandstrände in zahlreichen Buchten. Unterwegs trafen wir Philipe, einen französischen Radler, der von Grenoble aus die gesamte Küste Spaniens umrundet hat. 


Auf unserer Route hier an der Nord-Westküste Spaniens umfahren wir immer wieder sog. Rias, tiefe Einbuchtungen im Mündungsbereich von Flüssen. Heute war das der Ria Camariñas und der Ria des Flusses Anllons. Rias entstehen dadurch, dass sich die Westküste der iberischen Halbinsel allmählich absenkt und so im Bereich der Flussmündungen große Buchten entstehen, in die auch das Meerwasser eindringt und ausgedehnte Buchten und Feuchtgebiete entstehen. 



Eine Unterkunft fanden wir in Malpica, ein nettes Küstenstädtchen mit schönstem Sandstrand. Unsere Wirtin schilderte, dass in der Hochsaison alles voll ist, ein Badegast neben dem anderen. Jetzt war es, außer wenigen Spaziergängern, leer.

14.6.2024. Malpica - Sada.  69km.  910HM rauf

Diese Ecke Spaniens ist dicht besiedelt, eine Stadt geht fast nahtlos in die andere über. Für uns bedeutete das das durchweg Radeln auf dicken Straßen mit viel Verkehr, zum Glück gabs meist breite Seitenstreifen. Sada liegt schön vorn am Meer und lädt für heute Abend zu einem Strandspaziergang ein. 




15.6.2024. Sada  - Valdovino   76km   1.150HM rauf

Vormittags fuhren wir um die Ria de Betanzos herum und nordöstlich weiter bis zur Bucht des Rio Eume. Dann kam ein sehr schöner Ausflug entlang des Flusses Eume in den Parque Natural Fragas do Eume, der den besterhaltenen Küstenwald Europas beherbergt. Es ist ein tief-grünes, schönes  Tal mit dem Flüsschen Eume, Naturschutzgebiet und Lebensraum des Eisvogels, des Biebers (die wir beide leider nicht sahen), auffallend vieler Farne und anderer Besonderheiten. Endpunkt war das älteste Kloster Galiziens, das Mosteiro da Caveiro,  aus dem 12. Jh, einsam gelegen,  gut erhalten und in Teilen restauriert. 









Wir mussten die ganze Strecke zurückfahren und nach einer Brücke über den Fluss Eume nach Nordosten nochmals über 30km weiter radeln. 


1.150 HM insgesamt rauf waren stattlich und wir spürten unsere Beine ganz gut bei der Ankunft

16.6.2024 Valdoviño - Cariño.  44km.  740HM rauf
Regen. Wir zogen unsere Regenklamotten an, und prompt hörte es erstmal auf. Aber kurz danach setzte der Regen wieder ein. So ging es den ganzen Tag, mittags schaute sogar mal kurz die Sonne hinter den Wolken hervor. Galizien ist regenreich und deshalb auch sehr grün. Die Wolken kommen vom Atlantik und regnen sich vor den Bergen ab. Die kommenden Tage soll es noch viel Regen geben, dann soll‘s besser werden. Das hoffen wir sehr. 





Wir begnügten uns deshalb mit 44km. Wir verzichteten auf den Weg in Küstennähe und fuhren südlich des Ria de Cedeira auf einem kürzeren Weg quer durch das Land. Trotz des schlechten Wetters war es eine schöne Fahrt, auf kleineren Wegen überwiegend durch Wald, dominiert von Eukalyptus-Bäumen. Immer wieder fallen uns mannshohe, in verschiedenen Farben leuchtende Hortensien auf, die in diesem Klima offenbar hervorragend gedeihen. In Ferrol erreichten wir den Ria Ortigueira. Dort fuhren wir an einem aufgegebenen, aber irgendwie reizenden Schulgebäude aus den 30er Jahren vorbei, mit Schulglocke und brav getrennten Aufgängen für Jungs und Mädels. Nach 10km nördlich erreichten wir Cariño. 

17.6.2024 Ausflug zum Cabo Ortegal. 14km
Der Kap, also Cabo Ortegal ist spektakulär, mit über 600 Höhenmetern das höchste Kap Spaniens und in Europa nur übertreffen von einigen Felsklippen in Norwegen. Es ist die nördlichste Ecke Spaniens und trennt den Atlantik vom Golf von Biscaya. Für uns ein Muss, es zu besuchen. Wir nutzten unseren Ruhetag in Cariño und den regenfreien Vormittag. Und wir waren fasziniert von den steilen Klippen und vor allem vom Blick auf die weite See unter uns und die Wellen, die unentwegt an die Felsen und die drei vorgelagerten felsigen Inselchen krachen. Felsen, die seit Jahrmillionen der Erosion standhalten. Neben zwei spanischen Besuchern waren wir allein. Zu hören waren nur das Rauschen der Wellen und die Schreie der Möven, es herrschte eine ruhige und irgendwie eherne, zeitlose Atmosphäre.





18.6.2024 Cariño - Pena.   67km.  970 HM rauf
Auf das Wetter war wieder kein Verlass. Morgens zunächst bewölkt, dann Sonne mit der Hoffnung auf einen schönen Tag. Aber nix da, ab 12 Uhr zogen finstere Wolken auf und es regnete bis 15.00 Uhr, dann bewölkt und gegen Abend wieder Sonne. Die Regenzeit nutzten wir überwiegend für ein bocadillo in einem Café.
Trotzdem ging es weiter die zerklüftete Küste entlang, wir umrundeten zwei große Buchten, das Ria Ortigueira und das Ria Viveiro  und fuhren durch die Städte gleichen Namens. 





Immer gab es tolle Blicke auf die felsige Küste und dazwischen auf wunderschöne Sandstrände. Die waren allerdings völlig leer, bei diesem Wetter zog es niemanden an den Strand. Am Nachmittag kamen wir in dem Hostal Os Faroles in Pena an, geführt von zwei netten jungen Leuten, mit herrlichem Blick auf die Bucht. 



19.6.2024. Peña (Viveira) - Ribadeo.  68km.  690HM rauf
Regen. Fast den ganzen Tag. Erst um 15 Uhr hörte es auf, so dass wir die letzten ca 10km





noch einigermaßen trocken fahren konnten.


Trotzdem fuhren wir weitgehend kleine Küstenstraßen. Das war, trotz des Regens, eine schöne Atmosphäre. Das Meer, die raue Küste, Wellen, die an die Felsen klatschten und Schaumkronen bildeten. Die „Kathedralen des Meeres“ unterwegs waren Höhlen in den vorgelagerten Felsen und Dom-ähnliche Felsstrukturen. Ribadeo ist eine nette kleine Stadt an der Küste mit großem Bootshafen.